Schriften zur Erziehung und Bildung im WWW
von Dr. Joachim Rumpf


Die Grundbedürfnisse von Kindern

 

Literatur

 

 

Vorbemerkungen

 

Zu jedem der hier genannten Bedürfnisse gibt es jeweils Forschungsergebnisse beziehungsweise Bücher auf die zunächst hingewiesen werden soll. Zur Literaturauswahl sei vorweg angemerkt, dass ich nur die Schriften nenne, die ich kennen lernte und aus denen ich die hier vorgetragenen Einsichten gewonnen habe. Und noch eine Bemerkung zu den Schriften ist mir wichtig:

In den vergangenen Jahren, ich meine die Zeit seit Beginn des 21. Jahrhunderts, haben mehr und mehr neurobiologische Forschungen unser Wissen über uns bereichert und manches mit Hilfe moderner naturwissenschaftlicher Forschungsmethoden erklären können,  was sich uns bisher nur durch Erfahrung, Beobachtung beziehungsweise mit Hilfe empirischer Forschungsmethoden erschloss. Ich möchte zur Illustration des Gemeinten auf die Erforschung der uns gar nicht oder weniger oder mehr bewussten Bedürfnisse verweisen, die auf die Motivation unseres Verhaltens einwirken. Für mich stellen sich zurzeit alle die mir bisher bekannten und unten genannten Veröffentlichungen aus der Vergangenheit und der Gegenwart als ein System dar, das ich als einen dynamischen, sich ständig erweiternden und fortentwickelnden Prozess erlebe. Die Ausführungen über die Grundbedürfnisse integrieren beispielhaft die unterschiedlichen Systemkomponenten, die sich ebenfalls – orientiert an meinem persönlichen Kenntnisstand – erweitern und/oder modifizieren.

Obwohl diese Formulierungen die Subjektivität der hier erarbeiteten Texte betont, wird die objektive Gültigkeit der einzelnen Aussagen in dem Ausmaß bestätigt, in dem sie über die eigenen Erfahrungen hinaus, von Forschungsergebnissen aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen bestätigt werden.

Auch in meinen Ausführungen über das Buch: „Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens“ von Manfred Spitzer habe ich darüber nachgedacht und zugleich darauf verwiesen, dass die „alten“ Erkenntnisse von den modernen Forschungsmethoden und dem daraus fließendem Wissen bestätigt werden.

 

 

Zur Auswahl der Bedürfnisse ist anzumerken, dass sie sowohl jene enthalten, die der Psychologe Abraham Maslow in seiner Theorie von der „Bedürfnishierarchie“ (Motivation und Persönlichkeit. Hamburg 1981) erläuterte, als auch einige hinzugenommen wurden, die auf anderen Erkenntnissen beruhen. Für jene Leserinnen und Leser, die gern noch etwas mehr darüber nachlesen möchten, hier einige Literaturangaben

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Hinweise auf Literatur

Wenn ich an den Anfang der Literatur, aus der ich über die vielfältigen eigenen Erfahrungen aus nahezu sechzig Jahren Umgang mit Heranwachsenden und ihren Familien hinaus, viele Erkenntnisse gewann, einen Philosophen stelle, dann aus zwei Gründen:
Einmal ist für mich die Philosophie - und ich nutze jetzt einfach mal diesen wenig aussagekräftigen allgemeinen Oberbegriff - Ausgang und Ende alles Nachdenkens über unsere, des Menschen Existenz.
Zum Anderen führt alles Nachdenken über unsere Existenz, vor allem, wenn es sich den Fragen nach dem Sinn beziehungsweise einem sinnerfüllten Leben zuwendet, zu jenen Erkenntnissen, wie sie sich auch in den "Grundbedürfnissen" vorfinden. Stellvertretend für seine Zunft verweise ich auf die Arbeiten Von Wilhelm Schmid, dessen "Lebenskunstphilosophie" eine, unserer Zeit entsprechende Orientierung anbietet und wert ist, bedacht zu werden. Hier zwei seiner Schriften: Mit sich selbst befreundet sein. Von der Lebenskunst im Umgang mit sich selbst. Frankfurt a. M. 3/2004 und Auf der Suche nach einer neuen Lebenskunst. Frankfurt a. M. 2000

Und noch eine Bemerkung ist mir wichtig: nicht wenige der von mir genannten Arbeiten sind schon sehr alt. Dennoch sind deren Inhalte nach wie vor gültig. Ich denke da zum Beispiel an Erkenntnisse, die uns Johann Amos Comenius hinterließ (vgl. dazu die Sendung "Schule als Spiel - Leben als Schule" Die Pädagogik des Johann Amos Comenius SWR 2 Wissen am 25. März 2006). Was er an Anregungen gab, um Kinder für die Anforderungen des Unterrichts zu motivieren, wird heute von der Motivationsforschung und den Ergebnissen der Gehirnforschung bestätigt. Dass diese Anregungen in der Schulpraxis kaum berücksichtigt wurden, lag weder an den Einsichten des Comenius oder der Gehirnforschung noch daran, dass sie nicht bekannt waren. Jedem Berufspädagogen wurden und werden die jeweiligen Schriften vermittelt. Die praktische Anwendung freilich wurde erschwert oder unmöglich gemacht. Allein allgemein gültige Strukturprinzipien unseres Bildungssystems wie z. B. Benotung und Auslese mit den damit verbundenen Diskriminierungen und Ängsten sind als Beispiele zu erwähnen

Zur Auswahl der Bedürfnisse ist anzumerken, dass sie sowohl jene enthalten, die der Psychologe erläuterte, als auch einige hinzugenommen wurden, die auf anderen Erkenntnissen beruhen. Für jene Leserinnen und Leser, die gern noch etwas mehr darüber nachlesen möchten, hier einige Literaturangaben:

Aus der Psychologie und Psychotherapie sind die Arbeiten des Ehepaares Annemarie und Reinhard Tausch (Erziehungspsychologie. Göttingen 1973), von Viktor Frankl (z.B..: "Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn". München 8/1990) und von Carl-Friedrich Graumann/Heinz Heckhausen u. a.: Funkkolleg Pädagogische Psychologie, Frankfurt a. M/ Tübingen/Weinheim 1974 verwendet worden. Selbstverständlich sind die Arbeiten der Klassiker dieser Disziplin befragt worden, von denen ich Erich Fromm (Gesamtausgabe. Stuttgart 1980), als einen Begründer der Humanistischen Psychologie besonders bevorzuge und Carl Rogers "Selbstaktualisierungsmodell" (Die Kraft des Guten". München 1978) meinen eigenen Erfahrungen entgegenkommt.
Aus dem Bereich der Entwicklungspsychologie sind die Arbeiten von John Bowlby "Bindung und Verlust" (Ausgabe in drei Bänden. München 2006) nach wie vor von großer Bedeutung zu denen sich die von Gerhard J. Suess aus Hamburg gesellen (vgl. z. B. den Aufsatz "Sicherer Halt für den Aufbruch ins Leben. Neueste Erkenntnisse der Bindungsforschung". In: kindergarten heute Nr. 11-12/2005)

Gerade erst in jüngster Zeit werden, wie es bereits das Ehepaar Hassenstein vor vierzig Jahren erforschte, die frühkindlichen Phasen als entscheidende Fundamente für die spätere Entwicklung dick unterstrichen und entsprechende Reformen im öffentlichen Erziehungs- und Bildungswesen - vor allem in Krippe und Kindergarten - gefordert. Der Familienerziehung kommt gerade in den ersten Lebensjahren eine überragende Bedeutung zu und die Bildungspolitik hat entsprechend zu handeln meint Stefan Sell (Zukunftsfaktor Kind. Baden-Baden 2006 Die Familie ist besonders gefordert, wenn es darum geht, die Beziehung zwischen dem Kind und seine natürlichen Umwelten zu gestalten. Nicht still vor dem Bildschirm hocken fördern eine allseitige Entwicklung hin zu einem rundum gesunden Menschen, sondern seine Bewegung, seine aktive Begegnung mit der Natur, mit Wasser, Pflanzen, Tieren, Erde und der Luft. Hier ist zu verweisen auf die Erfahrungen von Martin Roeper: Kinder raus! Zurück zur Natur! Artgerechtes Leben für den kleinen Homo sapiens. München 2011.

Zu den informativen in die Psychologie einführenden Schriften gehören zum Beispiel die von Rita Kohnstamm: Praktische Kinderpsychologie. Bern 3/1990, von Philip G. Zimbardo: Psychologie. Berlin 5/1992 oder das Lehrbuch "Pädagogische Psychologie herausgegeben von Andreas Krapp und Bernd Weidenmann (Weinheim 5/2001).

Eine wertvolle Bereicherung des Wissens über das, was Kinder brauchen, um seelisch gesund zu bleiben / werden, stellen die Internetseiten des Freiburger Arztes Professor Dr. Joachim Bauer dar. Hier besonders die Aufsätze: Psychotherapie und moderne Neurowissenschaft und Depressive Gesundheitsstörungen.

Aus dem Bereich der Anthropologie ist auf Johann Heinrich Pestalozzi (z.B.: Meine Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechtes". Bad Heilbrunn 1983) und auf Arnold Gehlen zu verweisen (z.B. die "Institutionenlehre" in: Urmensch und Spätkultur" Wiesbaden 5/1985). Über die "Pädagogische Anthropologie" legte Heinrich Roth bereits 1966 ein unfangreiches und Generationen unserer Lehrerschaft beeinflussendes Werk vor (Hannover 4/1976).

Bernhard Hassenstein ist ein Vertreter der Verhaltensbiologie ("Verhaltensbiologie des Kindes". München 2/1976 und, gemeinsam mit Helma Hassenstein: "Was Kindern zusteht". München 2/1978. Irenäus Eibl-Eibesfeld mit seiner "Biologie des menschlichen Verhaltens" (München 3/ 1997 einen "Grundriss der Humanethologie" vorgelegt. Über "Biologische Grundlagen des Sozialverhaltens" forschte Karl Grammer (Darmstadt 1988) und im gleichen Jahr erschien ebenfalls in Darmstadt die Schrift "Gehirn, Bewusstsein und Erkenntnis" von Erhard Oeser und Franz Seitelberger.

Damit ist die Verbindung hergestellt zu den neuesten, aus der Gehirnforschung kommenden Erkenntnissen, wie sie in den Arbeiten von Manfred Spitzer und Joachim Bauer (Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern. München 2004 und: Warum ich fühle, was Du fühlst. Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone. Hamburg 5/2005) zu finden sind.

In diese Abteilung gehören auch die Arbeiten von Gerhard Roth, einem der wenigen Gelehrten, die ein weitgefächertes Forschungsinteresse haben und entsprechend lernten, forschten und lehrten. Hier einige Hauptwerke des Philosophen, Biologen, Verhaltens- und Hirnforschers:
Das Gehirn und seine Wirklichkeit. Frankfurt a. M. 1994. Fühlen - Denken - Handeln. Die neurobiologischen Grundlagen des menschlichen Handelns. Frankfurt a. M. 2001. Aus der Sicht des Gehirns. Frankfurt a. M. 2003.

Der Gehirnforscher Manfred Spitzer hat mit seinem viel gelesenen Buch über das "Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens." (Heidelberg 2002) bereits vor einigen Jahren das pädagogische Wissen über den Zusammenhang von positiven Emotionen und Lernmotivation aus neurophysiologischer Forschung bestätigt.


Juristen haben sich ebenfalls mit der Frage befasst, was Kinder zu Ihrem Gedeihen brauchen, zum Beispiel: Joseph Goldstein: Jenseits des Kindeswohls. Frankfurt 1974 und Joseph Goldstein / Anna Fend und Albert Solnit: Diesseits des Kindeswohls. Frankfurt a. M. 1982. Neuere Arbeiten aus diesem Feld - zum Beispiel über den Stand aktueller Konzeptionen von Familien- und Vormundschaftsgerichten, sind mir zurzeit noch nicht bekannt.


Und aus den weiten Feldern der Pädagogik und Sozialpädagogik denke ich vor allem an jene Arbeiten, die auf der Individualpsychologie Alfred Adlers beruhen (z.B. Rudolf Dreikurs und Vicky Soltz: Kinder fordern uns heraus. Stuttgart 13/1989) oder jene, die sich von Rudolf Steiners Menschenkunde herleiten (z. B. die Bücher von Michaela Glöckler wie "Elternfragen heute". Stuttgart 1992). Von ungebrochener Aktualität erscheinen mir die Schriften von Vertretern der "geisteswissenschaftlichen Pädagogik" zu sein. In der Darstellung kindlicher Erziehungsbedürfnisse ist vor allem die Theorie vom "Pädagogischen Verhältnis" von Hermann Nohl (Die Theorie der Bildung. Weinheim 1966, S. 3-80) berücksichtigt worden. Ein ebenfalls bereits ältere Arbeit ist die von Mia Kellmer - Pringle: Was Kinder brauchen (Stuttgart 1978). Relativ neu auf dem Büchermarkt ist das Herder-Bändchen "Was Kinder brauchen. Entwicklungsbegleitung im Kindergarten" von Armin Krenz (Freiburg 1995).
Hier einzuschieben ist das Problem von Autorität in der Erziehung, das gerade jüngst im Zusammenhang mit einem Buch über "Disziplin" Aufmerksamkeit erhielt. Zum dieser Thematik sind nach wie vor die Bücher von Karl Erlinghagen (Autorität und Antiautorität. Heidelberg 1973) und Erich E. Geißler (Hrsg.: Autorität und Freiheit. Bad Heilbrunn 1973) maßgeblich.

Die empirische sozialwissenschaftliche Forschung hat (außer den Arbeiten des Ehepaar Tausch) ebenfalls eine Fülle an Material über jene Bedingungen zusammengetragen, die Auskunft über günstige Entwicklungsbedingungen geben. Immer wieder wird auf den Seiten der Homepage www.rumpfs-paed.de auf entsprechende Veröffentlichungen hingewiesen. Nicht zuletzt gehören die eigenen Untersuchungen, die sich stets auf empirisch erarbeitetes Material beziehen, dazu

Auf Tagungen und Kongressen mit sozialen und sozialpädagogischen Themen wurde ebenfalls immer wieder mal auch die Frage nach den Grundbedürfnissen von Kindern thematisiert. Ich verweise zum Beispiel auf eine Fachtagung der Arbeiterwohlfahrt Anfang 1981, die unter der Überschrift stand: "Was brauchen unsere Kinder in den ersten drei Lebensjahren?" (Bericht über die Fachtagung der Arbeiterwohlfahrt und des Senators für Jugend und Sport in Bremen vom 13. - 25. Februar 1981. Bonn 1982). Darin ist der Aufsatz von Rita Süßmuth "Was Kinder brauchen - Bedürfnisse und Fähigkeiten von Kleinstkindern" (S. 50 - 56) darum bemerkenswert, weil er, wie in der auf diesen Seiten vorgetragenen Konzeption, von der Ökologie der menschlichen Entwicklung ausgeht.

Die empirische sozialwissenschaftliche Forschung hat (außer den Arbeiten der Tauschs) ebenfalls eine Fülle an Material über jene Bedingungen zusammengetragen, die Auskunft über günstige Entwicklungsbedingungen geben. Immer wieder wird in dieser Homepage auf entsprechende Veröffentlichungen hingewiesen. Nicht zuletzt gehören die eigenen Untersuchungen, die sich stets auf empirisch erarbeitetes Material beziehen, dazu.
Neu sind die Untersuchungen der beiden Amerikaner Thomas Berry Brazelton und Stanley I. Greenspan, die 2002 (2/2003 Weinheim und Basel) das Buch "Die sieben Grundbedürfnisse von Kindern. Was jedes Kind braucht, um gesund aufzuwachsen, gut zu lernen und glücklich zu sein" veröffentlichten.

Auf diese Arbeiten bezieht sich auch Alfred Weinrich in seinem Artikel über die "Grundbedürfnisse von Kindern" im Online Handbuch "Kindergartenpädagogik", das von Martin Textor (Herausgeber) vom Staatsinstitut für Frühpädagogik / München in das Internet eingestellt wurde.

Zu den Stichworten "Zusammenwirken" oder "Kooperation" im Bemühen um die Sicherung von Grundbedürfnissen noch einige Literaturhinweise:
Georg C. Homans: Elementarformen des sozialen Verhaltens. Opladen 1972. Ders.: Theorie der sozialen Gruppe. Opladen 1978. In diesen Arbeiten wird die "Theorie des sozialen Austauschs" vorgetragen.
Auch Theorien vom Menschen in seiner Eigenschaft als Wirtschaftssubjekt enthalten diese Erkenntnis; vgl. dazu: Erik Boettcher: Kooperation und Demokratie in der Wirtschaft. Schriften zur Kooperationsforschung Bd. 10. Tübingen 1974.
Zur Vertiefung dieses interessanten Problems sei weiter verwiesen auf die Arbeiten von u. a.: Karl Friedrich Graumann: Interaktion und Kommunikation. In: ders. (Hrsg.): Handbuch der Psychologie Bd. VII/2 (Sozialpsychologie) Göttingen 1972. Franz Wellendorf: Schulische Sozialisation und Identität. Zur Sozialpsychologie der Schule als Institution. Weinheim 1979. Und, ganz aktuell, noch eine Arbeit von Joachim Bauer: Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren. Hamburg 2006.

Im Internet findet sich ebenfalls eine Homepage, auf der weitere Aspekte dargestellt werden und ergänzende Literaturhinweise zu finden sind.

 

 

 

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